Was ist ein Volltilgerdarlehen?
Ein Volltilgerdarlehen ist ein Hypothekenkredit, bei dem die Anfangstilgung so kalkuliert wird, dass die Restschuld am Ende der Zinsbindung exakt null Euro beträgt. Du musst also nichts mehr anschlussfinanzieren — der Vertrag endet, das Eigentum gehört dir schuldenfrei. Üblich sind Laufzeiten von 15 bis 25 Jahren mit entsprechend hohen Anfangstilgungen von 3 bis 6 Prozent.
Vor- und Nachteile gegenüber dem Standard-Annuitätendarlehen
Der entscheidende Unterschied zum Standard-Annuitätendarlehen liegt im Risikoprofil. Vorteile des Volltilgers:
- Plansicherheit über die volle Laufzeit: Kein Zinsänderungsrisiko, keine Anschlussfinanzierung, exakte Kalkulierbarkeit.
- Oft günstigere Zinsen: 0,1 bis 0,3 Prozent unter Standard, weil die Bank das Restschuld-Risiko nicht trägt.
- Mentaler Vorteil: Bei Vertragsabschluss steht der Tag fest, an dem du schuldenfrei bist.
Nachteile:
- Höhere Monatsrate: Bei einem 300.000-Euro-Darlehen mit 15 Jahren Laufzeit und 3,5 Prozent Zins zahlst du rund 2.150 Euro pro Monat — ein Standard mit 2 Prozent Tilgung läge bei rund 1.375 Euro.
- Weniger Flexibilität: Du bindest dich auf die volle Laufzeit. Bei Job-Verlust oder Familiensituation ist die hohe Rate bindend.
- Bei stark fallenden Zinsen profitierst du nicht: Du kannst aber das gesetzliche 10-Jahres-Sonderkündigungsrecht (§ 489 BGB) nutzen — auch beim Volltilger.
Wann lohnt sich ein Volltilgerdarlehen?
Volltilger sind besonders sinnvoll bei:
- Niedrigem Zinsniveau: Du sicherst dir günstige Konditionen über die volle Laufzeit.
- Stabiler Einkommenssituation: Verbeamtete, Angestellte mit unbefristeten Verträgen und gesicherter Karriere.
- Klarem Plan, das Haus langfristig zu behalten: Wer in 10 Jahren wieder verkaufen will, profitiert vom Volltilger weniger.
- Älteren Käufern: Wer mit 50+ kauft und bis zur Rente schuldenfrei sein möchte, hat im Volltilger das passende Werkzeug.
Weniger geeignet sind Volltilger bei jungen Käufern, die noch Karrieresprünge oder Familiengründung vor sich haben — zu wenig Flexibilität.
Anbieter und Zinsabschläge
Nicht jede Bank bietet Volltilgerdarlehen aktiv an, und die Zinsabschläge variieren. Direktbanken und Versicherungen sind oft besonders attraktiv, weil sie kalkulierbare Cashflows brauchen. Bei Vermittlern wie Interhyp, Dr. Klein oder Baufi24 vergleichst du im selben Antrag Standard- und Volltilger-Konditionen — der Aufwand ist nicht höher. Achte beim Vergleich darauf, dass die Effektivzinsen (nicht nur die Sollzinsen) gegenübergestellt werden — die Annuität wird darüber vergleichbar zur Standard-Tilgung.
Volltilger und Sondertilgung — geht das zusammen?
Bei den meisten Volltilger-Verträgen ist keine zusätzliche Sondertilgung erlaubt — das wäre auch wenig sinnvoll, weil das Darlehen ja bereits maximal getilgt wird. Wenige Anbieter erlauben optionale Sondertilgungen mit kleinem Zinsaufschlag. Wer Sondertilgungs-Spielraum will, sollte zum Standard-Annuitätendarlehen mit 3 Prozent Anfangstilgung plus Sondertilgungs-Option greifen — das gibt Flexibilität, aber weniger Plansicherheit. Den Effekt verschiedener Sondertilgungs-Strategien zeigt der Sondertilgungs-Rechner.
Häufige Fragen
Sind Sondertilgungen beim Volltilger möglich?
Üblicherweise nein, weil der Plan auf exakte Tilgung am Ende ausgelegt ist. Manche Banken erlauben kleine Sondertilgungen gegen Aufschlag. Wer Sondertilgungs-Flexibilität braucht, ist mit einem Standard-Darlehen mit hoher Anfangstilgung und Sondertilgungs-Option besser bedient.
Welche Banken bieten Volltilger an?
Direktbanken (z.B. ING, Comdirect), Versicherungen (z.B. Allianz, Debeka) und Vermittler-Plattformen führen Volltilger im Programm. Filialbanken sind manchmal weniger flexibel. Über einen Vermittler wie Dr. Klein oder Interhyp bekommst du in einem Antrag alle Optionen verglichen.
Gibt es eine Mindestlaufzeit für Volltilger?
Üblich sind 10–30 Jahre. Bei sehr kurzer Laufzeit (5 Jahre) wäre die Monatsrate so hoch, dass praktisch nur Großverdiener mit niedrigem Kreditbedarf das stemmen können. Sweet Spot: 15–20 Jahre.
Lohnt sich Volltilger bei aktuellen Bauzinsen?
Bei moderaten Zinsen (3–4 Prozent) eher nicht zwingend — Plansicherheit kostet Geld. Bei niedrigen Zinsen (unter 2 Prozent) absolut, weil du dann die Konditionen langfristig sicherst. Bei hohen Zinsen (über 5 Prozent) eher Standard mit kürzerer Bindung, um auf Zinsrückgang zu spekulieren.