Was ist Kurzarbeitergeld?
Das Kurzarbeitergeld (KuG) ist eine Lohnersatzleistung der Bundesagentur für Arbeit, die einspringt, wenn ein Betrieb die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter wegen vorübergehender wirtschaftlicher Probleme oder unabwendbarer Ereignisse reduzieren muss. Statt Kündigungen kann der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen — die Mitarbeiter behalten ihren Job, bekommen aber weniger Lohn. Das KuG gleicht einen Großteil dieser Einbuße aus.
Bekannt geworden ist Kurzarbeit besonders während der Corona-Pandemie 2020/2021, als Millionen Beschäftigte dadurch ihre Anstellung behielten. Auch während der Energiekrise 2022/2023 und in einzelnen Branchenkrisen ist KuG ein wichtiges Instrument.
Höhe — 60 % oder 67 % der Netto-Differenz
Das KuG beträgt:
- 60 % der Differenz zwischen pauschalisiertem Soll-Netto und Ist-Netto — Standard für kinderlose Arbeitnehmer
- 67 % bei mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt
Wichtig: Die Differenz wird mit dem Satz multipliziert, nicht das Soll-Netto. Wer also nur 50 % seiner Arbeitszeit ausfällt, hat eine entsprechend geringere Differenz und damit auch ein geringeres KuG.
Beispiel: 4.000 € Soll-Brutto (Klasse I) ergibt ca. 2.640 € pauschalisiertes Netto. Bei 2.000 € Ist-Brutto ca. 1.460 € pauschalisiertes Netto. Differenz: 1.180 € → 60 % = 708 € KuG. Gesamt-Auszahlung: 1.460 € + 708 € = 2.168 €. Verlust ggü. Vollzeit: rund 18 %.
Wer kann Kurzarbeit beantragen?
Der Arbeitgeber stellt den Antrag, nicht du. Voraussetzungen:
- Mindestens 10 % der Beschäftigten im Betrieb müssen einen Arbeitsausfall von mindestens 10 % haben
- Wirtschaftliche Ursache (Auftragseinbruch, Lieferengpass) oder unabwendbares Ereignis (Naturkatastrophe, Pandemie)
- Vorübergehende Natur — KuG ist nicht für dauerhafte Restrukturierung gedacht
- Tarifvertragliche oder betriebliche Vereinbarung über Kurzarbeit
Für dich als Arbeitnehmer bedeutet das: Wenn dein AG Kurzarbeit anordnet, kannst du dich (in Grenzen) nicht weigern. Bei Streitfällen ist der Betriebsrat oder ein Arbeitsrechtsanwalt der erste Ansprechpartner.
Bezugsdauer — wie lange?
Standard: 12 Monate. Das BMAS kann diese Dauer per Rechtsverordnung verlängern — typische Krisen-Verlängerungen:
- Corona-Pandemie 2020–2022: bis zu 28 Monate
- Energiekrise 2022–2023: bis 24 Monate
- Standard außerhalb von Krisen: 12 Monate
Reicht die Bezugsdauer nicht aus, droht oft Kündigung mit anschließendem ALG I.
Kurzarbeit + Steuer: Progression
KuG ist steuerfrei, fällt aber unter den Progressionsvorbehalt. Was bedeutet das?
- Auf das KuG selbst zahlst du keine Steuer
- Aber: Bei der Steuererklärung wird das KuG zum Gesamteinkommen hinzugerechnet
- Auf den höheren fiktiven Steuersatz wird dein restliches Einkommen versteuert
- Folge: oft eine deutliche Steuernachzahlung im Folgejahr
Wer mehr als 410 € Lohnersatzleistungen pro Jahr bekommen hat, ist verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben — auch wenn er sonst nicht müsste. Eine grobe Schätzung der zu erwartenden Belastung gibt der Steuererstattungs-Rechner.
Sozialversicherung während Kurzarbeit
Während Kurzarbeit zahlst du SV-Beiträge nur auf das tatsächliche Brutto-Einkommen. Der Arbeitgeber zahlt aber zusätzlich pauschal SV-Beiträge auf 80 % des Ausfall-Entgelts (was dein Rentenanspruch leicht schmälert, aber nicht dramatisch).
Das KuG selbst wird im Rentenanspruch wie 80 % des Soll-Bruttos angerechnet — du verlierst also nur einen kleinen Teil der Rentenanwartschaft.
Was, wenn das KuG nicht reicht?
Bei kompletter Arbeitsbefreiung (0 Stunden Ist-Brutto) liegt das KuG bei rund 60 % des pauschalisierten Soll-Nettos — das kann für viele Haushalte zu wenig sein, um die Fixkosten zu decken. Optionen:
- Notgroschen einsetzen — der Standard-Cash-Puffer (siehe Notgroschen-Rechner) für genau solche Situationen
- Aufstockung Bürgergeld — bei Bedürftigkeit (Vermögen unter Freibetrag)
- Stundung von Krediten — Banken zeigen sich oft kulant bei Hauskredit-Raten oder Konsumentenkrediten
- Wohngeld — wenn KuG niedrig ist, kann Wohngeld ein Plus sein
Verwandte Rechner
Brutto-Netto-Rechner für die Pauschalsteuer-Schätzung · Arbeitslosengeld-Rechner (ALG I) bei Auslauf der Kurzarbeit · Krankengeld-Rechner bei zusätzlicher Krankheit · Notgroschen-Rechner für die Reserve.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?
60 % der Differenz zwischen Soll- und Ist-Netto (kinderlos) bzw. 67 % (mit mind. 1 Kind unter 18). Bei 4.000 € Soll-Brutto und 50 % Kurzarbeit etwa 700–750 €. Mit kompletter Arbeitsbefreiung deutlich höher (Differenz wird größer).
Wer beantragt Kurzarbeitergeld?
Der Arbeitgeber, nicht der Arbeitnehmer. Du bist passiv beteiligt — der Arbeitgeber stellt den Antrag bei der Agentur für Arbeit, weist nach, dass mindestens 10 % der Belegschaft 10 %+ Arbeitsausfall haben, und meldet dann den AN-Anspruch über die Lohnabrechnung.
Wie lange wird Kurzarbeitergeld gezahlt?
Standard 12 Monate. Bei Krisen kann das BMAS per Rechtsverordnung verlängern — während Corona bis zu 28 Monate, in der Energiekrise 2022–2023 bis zu 24 Monate. Reicht das nicht, droht oft Kündigung mit anschließendem ALG I.
Muss ich auf Kurzarbeitergeld Steuern zahlen?
KuG ist steuerfrei. Aber durch den Progressionsvorbehalt erhöht es deinen Steuersatz auf andere Einkünfte — oft Steuernachzahlung im Folgejahr. Bei mehr als 410 € Lohnersatz pro Jahr ist die Steuererklärung Pflicht.
Kann ich während Kurzarbeit nebenher arbeiten?
Ja, wenn der Arbeitgeber zustimmt — und nur, wenn der Nebenjob nicht vor der Kurzarbeit begonnen hat. Bei laufendem Nebenjob: Hinzuverdienst wird auf das KuG angerechnet. Bei neuem Nebenjob nach Beginn der Kurzarbeit: Verdienst bleibt anrechnungsfrei (sehr wichtig zu wissen!).