Was ist ein Notgroschen?
Ein Notgroschen ist eine finanzielle Reserve, die du auf einem jederzeit verfügbaren Konto (Tagesgeld oder Girokonto) parkst, um unerwartete Lebenssituationen ohne Schulden zu meistern. Typische Anwendungsfälle: kaputte Waschmaschine, unerwartete Auto-Reparatur, plötzliche Krankheit, Jobverlust, dringender Familienbesuch im Ausland. Wer kein Notgroschen hat, muss in solchen Fällen den Dispo-Kredit (8–14 % Zinsen!) oder einen Ratenkredit aufnehmen — beides teuer und vermeidbar.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Die Standard-Faustregel lautet: 3 bis 6 Monatsausgaben. Konkret hängt die optimale Höhe aber von deiner Lebenssituation ab:
- Angestellt mit sicherem Job: 3 Monatsausgaben reichen — bei Kündigung gibt's Arbeitslosengeld I als Auffangnetz, eine Anschluss-Beschäftigung findet sich erfahrungsgemäß in 2–4 Monaten.
- Angestellt, typische Situation: 4 Monate als gesunder Mittelweg.
- Familie / Hauptverdiener: 6 Monate, weil die Verantwortung höher und Kosten oft nicht reduzierbar sind (Miete, Kinder).
- Selbstständige / Freiberufler: 9–12 Monate, weil Auftragslagen unregelmäßig sind und Steuer-Nachzahlungen plötzlich kommen können.
- Unsichere Branche oder Sabbatical-Plan: 12 Monate aufwärts.
Beispielrechnung für eine vierköpfige Familie mit 3.500 € Fixkosten: 3.500 × 6 = 21.000 € Notgroschen. Klingt viel, ist aber eine echte Lebensretter-Summe in einer Job-Krise.
Wo parken — Tagesgeld, Festgeld oder ETF?
Der Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein. Das schließt einige Anlageformen aus:
- Tagesgeldkonto (Empfehlung): Verfügbarkeit innerhalb von 1–2 Bankarbeitstagen. Aktuelle Konditionen: 2,5–3,5 % p. a. bei vielen Direktbanken. Einlagensicherung 100.000 € pro Bank/Person.
- Girokonto: Sofort verfügbar, aber meist 0 % Zinsen. Akzeptabel für kleine Notgroschen (< 5.000 €).
- Festgeld: Höhere Zinsen, aber Geld ist gebunden — nicht als Notgroschen geeignet, sondern als Ergänzung für überschüssiges Geld.
- ETF / Aktien: Nicht für den Notgroschen. Wenn du gerade dann verkaufen musst, wenn die Börse unten ist (typischerweise gleichzeitig mit Job-Krise!), realisierst du echte Verluste. Der Sinn des Notgroschens ist Risikofreiheit, nicht Maximum-Rendite.
Notgroschen aufbauen — wie schnell?
Wenn du noch keinen Notgroschen hast, ist Sparen oberste Priorität — vor jeder Investition in ETFs oder Krypto. Faustregel: 10–25 % vom Netto als Sparrate, bis das Ziel erreicht ist. Bei 2.500 € Fixkosten und 4-Monats-Ziel (= 10.000 €) und 500 €/Monat Sparrate brauchst du 20 Monate. Beschleuniger: Bonuszahlungen, Steuerrückerstattungen, Geldgeschenke ungeschmälert in den Notgroschen leiten.
Was zählt als „Fixkosten"?
Realistisch — alles was im Jobverlust-Szenario weiterhin abgehen würde:
- Miete oder Kreditrate (siehe Tilgungsplan-Rechner)
- Strom, Gas, Wasser, Internet, Mobilfunk
- Krankenversicherung (in Deutschland Pflicht, sonst Säumniszuschläge)
- Lebensmittel & Drogerie (~250–400 € pro Person)
- Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit, Auto)
- Mobilität: ÖPNV-Abo oder Sprit + Auto-Kosten
- Kinder-bezogene Kosten (Kita, Schulgeld)
Nicht zählen: Restaurantbesuche, Streaming-Abos, Hobbies, Urlaub — die kannst du im Krisenfall reduzieren.
Sobald der Notgroschen voll ist
Wenn du dein Notgroschen-Ziel erreicht hast, hör nicht auf zu sparen — leite die Sparrate jetzt in den langfristigen Vermögensaufbau um: ETF-Sparplan, Riester, betriebliche Altersvorsorge. Hier hilft dir der Sparplan-Rechner bei der Endkapital-Berechnung mit Zinseszins. Wenn du eine Einmalanlage planst (etwa eine Erbschaft oder Bonuszahlung), schau in den Zinseszinsrechner.
Häufige Fragen
Wie viel Notgroschen sollte ich haben?
Faustregel: 3 bis 6 Monatsausgaben. Konkret 3 für Angestellte mit sicherem Job, 6 für Familien-Hauptverdiener, 9–12 für Selbstständige. Bei 2.500 € Fixkosten ergibt das 7.500–15.000 € — den genauen Wert für deine Situation zeigt dir der Rechner oben.
Wo soll ich den Notgroschen parken?
Tagesgeldkonto bei einer Direktbank ist die beste Wahl: Verfügbarkeit in 1–2 Tagen, aktuell 2,5–3,5 % Zinsen, Einlagensicherung. Nicht in ETFs/Aktien (kann zum falschen Zeitpunkt im Minus sein), nicht in Festgeld (Geld ist dann gebunden).
Soll ich erst Notgroschen aufbauen oder ETF besparen?
Erst Notgroschen, dann ETF. Ohne Notgroschen läufst du Gefahr, in einer Krise ETF-Anteile mit Verlust zu verkaufen — das ruiniert die langfristige Rendite. Klassische Reihenfolge: 1) Schulden tilgen (außer günstige Hypothek), 2) Notgroschen aufbauen, 3) ETF-Sparplan starten.
Zählt der Dispo als Notgroschen-Ersatz?
Definitiv nein. Dispo-Zinsen liegen bei 8–14 % — du verlierst real Geld, sobald du den Dispo nutzt. Der Notgroschen ist verfügbares Eigenkapital, das dich Geld kostet nichts bzw. sogar Zinsen bringt.
Soll ich den Notgroschen aufstocken, wenn die Inflation steigt?
Ja — der Notgroschen sollte einmal pro Jahr an deine aktuellen Fixkosten angepasst werden. Wenn deine Miete um 10 % gestiegen ist, sollte auch der Notgroschen entsprechend wachsen. Sonst schmilzt sein realer Wert. Den Inflationseffekt kannst du im Inflationsrechner nachsehen.