Was ist der Sparerpauschbetrag?
Der Sparerpauschbetrag ist der Anteil deiner Kapitalerträge, der jedes Jahr steuerfrei bleibt. Seit 2023 beträgt er 1.000 € für Singles und 2.000 € für Verheiratete pro Kalenderjahr (zuvor 801 € / 1.602 €). Erst Erträge oberhalb dieser Grenze unterliegen der Kapitalertragsteuer von 26,375 % (25 % KESt + 5,5 % Soli auf KESt).
Was zählt zu den Kapitalerträgen?
- Zinsen aus Tagesgeld, Festgeld, Sparbüchern, Anleihen
- Dividenden aus Aktien und ausschüttenden Fonds/ETFs
- Realisierte Kursgewinne aus Aktien, ETFs, Fonds (bei Verkauf)
- Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs (jährlich)
Wichtig: Bei Aktien-ETFs gilt die Teilfreistellung — 30 % der Dividenden und Veräußerungsgewinne sind zusätzlich steuerfrei (also nur 70 % zählen zu den steuerpflichtigen Erträgen). Der effektive Steuersatz auf den Aktien-ETF-Gewinn ist deshalb 26,375 % × 70 % = 18,46 %.
Freistellungsauftrag — die Bürokratie-Hürde
Damit die Bank deinen Pauschbetrag automatisch berücksichtigt, brauchst du einen Freistellungsauftrag. Ohne diesen Auftrag zieht die Bank stumpf 26,375 % Kapitalertragsteuer ab — du müsstest dir das Geld nachträglich per Anlage KAP zurückholen (lästig).
- Bei deiner Bank/deinem Broker einen Freistellungsauftrag einrichten — meist online in 2 Minuten erledigt.
- Wenn du Kapitalerträge auf mehrere Banken aufteilst: Pauschbetrag splitten. Beispiel: 600 € beim Broker, 400 € bei der Tagesgeldbank.
- Eheleute: Freistellungsauftrag kann gemeinsam (2.000 €) oder individuell gestellt werden.
Wie viel Kapital brauche ich, um den Pauschbetrag voll auszuschöpfen?
Faustregel: bei 2 % Bruttoertragsquote (typische Mischung Aktien-Dividende + Tagesgeldzinsen):
- 1.000 € Pauschbetrag wird ab ca. 50.000 € Anlagevermögen voll genutzt
- 2.000 € Pauschbetrag ab ca. 100.000 €
Bei niedrigerer Bruttoertragsquote (z. B. nur thesaurierende ETFs ohne Dividenden-Ausschüttung) wird der Pauschbetrag langsamer ausgeschöpft — du verschenkst möglicherweise jahrelang steuerfreien Spielraum.
Optimale Strategie: ausschüttender + thesaurierender ETF
Ein eleganter Trick zum optimalen Ausnutzen des Pauschbetrags:
- Bis ~50.000 € (Single) / ~100.000 € (Paar): ausschüttenden Aktien-ETF besparen (z. B. Vanguard FTSE All-World Distributing). Die ~2 % Dividendenrendite landet jährlich auf dem Konto und nutzt den Pauschbetrag.
- Darüber: Auf thesaurierenden ETF umstellen — Steuerstundungseffekt durch Vorabpauschale.
Mehr im Thesaurierend-vs-Ausschüttend-Rechner und ETF-Vergleich.
Pauschbetrag und Vorabpauschale
Bei thesaurierenden ETFs wird die jährliche Vorabpauschale berechnet (Basiszins × 0,7 × 70 % auf den Anteilswert). Diese Vorabpauschale nutzt auch den Sparerpauschbetrag — aber bei niedrigen Basiszinsen (z. B. 2021 nur 0,7 %) bleibt der Pauschbetrag oft ungenutzt. Bei höheren Basiszinsen (2026: 3,20 %) wird er besser ausgenutzt.
Detaillierte Berechnung im Vorabpauschale-Rechner.
Was, wenn ich den Pauschbetrag nicht voll nutze?
Dann verschenkst du steuerfreien Spielraum. Klingt nicht dramatisch, aber: 500 € ungenutzter Pauschbetrag = 132 € nicht gesparte Steuer pro Jahr. Über 30 Jahre Anlagedauer sind das fast 4.000 € — ohne jede Maßnahme zu mehr Vermögensaufbau.
Strategien:
- Mehr Kapital anlegen — wenn Liquidität reicht.
- Auf ausschüttenden ETF umstellen — Dividenden zählen direkt.
- Tagesgeld mit höherem Zins bei aktuell hohen Zinsen (€STR ~3 %).
- Mit Partner zusammenveranlagen — verdoppelt den Pauschbetrag auf 2.000 €.
Verwandte Rechner: Vorabpauschale-Rechner · Thesaurierend vs. Ausschüttend · ETF-Vergleich · Zinseszinsrechner mit Steuer.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag 2026?
1.000 € für Singles, 2.000 € für Verheiratete (zusammenveranlagt) pro Jahr. Seit 2023 angehoben von zuvor 801 € / 1.602 €. Der Pauschbetrag gilt zusätzlich zu allen anderen Freibeträgen — nicht damit zu verwechseln.
Was passiert, wenn ich keinen Freistellungsauftrag stelle?
Dann zieht die Bank automatisch 26,375 % Kapitalertragsteuer von all deinen Kapitalerträgen ab — auch wenn sie unter dem Pauschbetrag liegen. Du kannst die Steuer per Steuererklärung (Anlage KAP) zurückholen, was aber Aufwand bedeutet. Besser: vorher den Freistellungsauftrag stellen — meist online in 2 Minuten erledigt.
Wie viel Kapital brauche ich, um den Pauschbetrag voll auszunutzen?
Bei 2 % Bruttoertragsquote (Mix aus Aktien-Dividende + Zinsen): ca. 50.000 € für 1.000 € PB (Single), 100.000 € für 2.000 € PB (Verheiratete). Bei niedrigeren Renditen entsprechend mehr — bei 1 % Zinsen reicht der PB schon mit 100.000 € Tagesgeld bei Singles aus.
Wirkt der Sparerpauschbetrag auch bei thesaurierenden ETFs?
Ja, über die jährliche Vorabpauschale. Bei thesaurierenden ETFs wird jedes Jahr eine fiktive Pauschale berechnet (Basiszins × 0,7 × 70 % auf den Anteilswert), die als Kapitalertrag versteuert wird. Der Sparerpauschbetrag wird dabei automatisch angerechnet. Bei niedrigem Basiszins ist die Vorabpauschale aber gering — der Pauschbetrag wird oft nicht voll ausgenutzt.
Sollte ich Pauschbetrag auf mehrere Banken aufteilen?
Nur wenn du tatsächlich Kapitalerträge auf mehreren Banken hast. Beispiel: 600 € Freistellungsauftrag beim Aktien-Broker (wo Dividenden anfallen), 400 € bei der Tagesgeldbank. Wichtig: Die Summe aller Aufträge darf den Pauschbetrag nicht überschreiten — sonst gibt es Ärger mit dem Finanzamt.