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Thesaurierend vs. Ausschüttend

Acc oder dist — welche ETF-Variante bringt nach Steuern mehr? Mit Vorabpauschale, Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag nach aktuellem Basiszins.

Aktualität: Stand 2026 · Sparplan-Simulation nach §§ 18–20 InvStG, Basiszins 2026: 3,20 % (BMF)

Thesaurierend vs. Ausschüttend — was bleibt nach Steuer?

Beim thesaurierenden ETF bleiben die Dividenden im Fonds, versteuert wird jährlich die Vorabpauschale. Beim ausschüttenden werden die Dividenden ausgezahlt und versteuert — hier angenommen, dass du den Nettobetrag sofort wieder anlegst.

€
€
Jahre
€/Jahr
%
%
%
Thesaurierend (acc)
380.050,43 €
nach allen Steuern · eingezahlt 118.000,00 €
Steuer laufend auf Vorabpauschalen: 10.133,52 €
Steuer beim Verkauf: 41.225,63 €
Ausschüttend (dist)
380.370,91 €
nach allen Steuern · eingezahlt 118.000,00 €
Steuer laufend auf Dividenden und Vorabpauschalen: 11.380,78 €
Steuer beim Verkauf: 39.751,88 €
Praktisch gleichwertig — Unterschied 320,47 €.

Die Vorabpauschale setzt beim thesaurierenden ETF jedes Jahr 2,24 % des Anteilswerts an — ungefähr so viel, wie der ausschüttende an Dividende (2 %) versteuert. Beide Varianten werden damit laufend ähnlich besteuert; einen nennenswerten Stundungsvorteil gibt es nicht. Entscheide nach Handhabung und Entnahmeplan.

Worauf es ankommt

  • Dividendenrendite gegen Basisertrag. Der Basisertrag beträgt Basiszins × 70 % — 2026 also 2,24 % des Anteilswerts. Liegt die Dividende darunter, werden beide Varianten laufend ähnlich besteuert. Liegt sie deutlich darüber, etwa bei Dividenden-ETFs, hat der thesaurierende ETF einen echten Stundungsvorteil.
  • Der Basiszins ändert sich jedes Jahr. In den Nullzins-Jahren fiel keine Vorabpauschale an; damals war thesaurierend bei großen Depots klar im Vorteil. Bei 3,2 % ist dieser Vorteil weitgehend verschwunden.
  • Entnahmephase: Ausschüttungen liefern Geld aufs Konto, ohne dass du verkaufen musst. Beim Teilverkauf eines thesaurierenden ETFs wird dagegen nur der Gewinnanteil des verkauften Betrags besteuert, nicht die ganze Summe.

Steuerlogik: Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer. Aktien-ETF mit 30 % Teilfreistellung (§ 20 InvStG) — steuerpflichtig sind 70 % der Erträge; der Sparerpauschbetrag wird erst danach abgezogen. Vorabpauschale nach § 18 InvStG: Wert zum Jahresanfang × Basiszins × 70 %, höchstens die tatsächliche Wertsteigerung, abzüglich Ausschüttungen; für unterjährig gekaufte Anteile um ein Zwölftel je vollem Monat gemindert. Sie gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen und mindert beim Verkauf den Gewinn (§ 19 InvStG).

Annahmen: konstante Kurs- und Dividendenrendite, gleicher Basiszins über die ganze Laufzeit, Sparrate zum Monatsanfang, Verkauf des gesamten Depots am Ende des letzten Jahres. Laufend gezahlte Steuern mindern das angelegte Kapital. Ohne Steuern ergeben beide Varianten exakt denselben Endwert — jede Differenz im Ergebnis stammt aus der Besteuerung.

Schätzung — keine Steuerberatung.

Acc oder dist — thesaurierend oder ausschüttend?

Bei jedem ETF gibt es zwei Varianten — erkennbar am Kürzel im Namen:

  • acc (accumulating, thesaurierend): Dividenden werden automatisch wieder im Fonds investiert. Du bekommst nichts ausgezahlt, dein Anteilswert steigt entsprechend.
  • dist (distributing, ausschüttend): Dividenden werden auf dein Verrechnungskonto ausgezahlt — typischerweise quartalsweise oder jährlich.

Welche Variante mehr Endkapital nach Steuer bringt, hängt von Sparerpauschbetrag-Auslastung, Anlagedauer und Kapitalhöhe ab. Der Rechner oben zeigt dir den konkreten Unterschied für deinen Fall.

Wie funktionieren die Steuern bei beiden Varianten?

Thesaurierend (acc)

  • Während der Laufzeit: Jährlich die Vorabpauschale — Wert zum Jahresanfang × Basiszins × 70 %, höchstens die Wertsteigerung des Jahres. Sie gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen; die Steuer wird vom Verrechnungskonto eingezogen.
  • Beim Verkauf: Steuer auf den Gewinn, gemindert um alle bereits angesetzten Vorabpauschalen (§ 19 InvStG). Bei Aktien-ETFs sind 70 % steuerpflichtig — effektiv 18,46 % ohne Kirchensteuer.
  • Sparerpauschbetrag: wird über die Vorabpauschale jedes Jahr mitgenutzt. Was darin steuerfrei bleibt, mindert trotzdem den späteren Verkaufsgewinn.

Ausschüttend (dist)

  • Während der Laufzeit: Jede Ausschüttung ist im selben Jahr steuerpflichtig, zu 70 % bei Aktien-ETFs, nach Abzug des Sparerpauschbetrags.
  • Vorabpauschale: fällt zusätzlich an, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen — 2026 also bei einer Dividendenrendite unter 2,24 %.
  • Beim Verkauf: Steuer auf den Gewinn gegenüber den Anschaffungskosten. Wieder angelegte Netto-Dividenden zählen dazu.

Warum der Unterschied 2026 so klein ist

Entscheidend ist der Vergleich zwischen Dividendenrendite und Basisertrag. Bei einem Basiszins von 3,20 % setzt die Vorabpauschale 2,24 % des Anteilswerts an. Ein breiter Welt-ETF mit rund 2 % Dividende wird als ausschüttende Variante also ungefähr auf derselben Grundlage besteuert wie als thesaurierende — beide laufend, beide jedes Jahr. Der Stundungsvorteil, der den thesaurierenden ETF früher auszeichnete, ist damit weitgehend verschwunden.

Zum Vergleich mit dem Rechner oben (5 % Kurs, 1.000 € Sparerpauschbetrag):

FallThesaurierendAusschüttendUnterschied
10.000 € + 300 €/Monat, 30 Jahre, 2 % Dividende, Basiszins 3,20 %380.050 €380.371 €praktisch gleich
100.000 € einmalig, 20 Jahre, 3 % Kurs + 4 % Dividende, Basiszins 3,20 %340.017 €331.907 €+8.110 € thesaurierend
300.000 € einmalig, 20 Jahre, 2 % Dividende, Basiszins 0 %1.020.075 €1.000.420 €+19.656 € thesaurierend

Der letzte Fall zeigt die Lage in den Nullzins-Jahren 2021 und 2022, als keine Vorabpauschale anfiel. Da der Basiszins jedes Jahr neu festgelegt wird, kann sich das Verhältnis wieder verschieben.

Faustregel: Wann ist welche Variante besser?

SituationEmpfehlungGrund
Breiter Welt-ETF, Dividende unter dem BasisertragEgal — nach HandhabungBeide werden laufend ähnlich besteuert
Dividenden-ETF, Rendite deutlich über dem BasisertragThesaurierendWeniger laufende Steuer, Rest bis zum Verkauf gestundet
Anspar-Phase ohne Wunsch nach AuszahlungenThesaurierendKeine Wiederanlage von Hand nötig
Entnahme-PhaseJe nach PlanAusschüttungen kommen ohne Verkauf aufs Konto; beim Teilverkauf wird dagegen nur der Gewinnanteil besteuert

Lohnt sich die Zwei-ETF-Strategie noch?

Früher verbreitet: erst einen ausschüttenden ETF besparen, bis die Dividenden den Sparerpauschbetrag ausschöpfen, dann einen thesaurierenden. Die Grenze liegt dabei höher als oft angegeben — wegen der Teilfreistellung deckt der Pauschbetrag von 1.000 € rund 1.430 € Dividende, bei 2 % Rendite also ein Depot von etwa 71.000 € statt 50.000 €.

Seit der Basiszins wieder deutlich positiv ist, bringt die Strategie steuerlich aber kaum noch etwas: Auch der thesaurierende ETF nutzt den Pauschbetrag jedes Jahr über die Vorabpauschale. Bei 2,24 % Basisertrag bleibt ein Depot bis rund 64.000 € laufend steuerfrei — in beiden Varianten.

Erkennungsmerkmale beim Kauf

Wie unterscheidet man die Varianten beim Broker?

  • Im Namen: „acc" oder „A" steht oft für accumulating, „dist" oder „D" für distributing. Beispiel: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating (IE00BK5BQT80) vs. Distributing (IE00B3RBWM25).
  • WKN/ISIN: Beide Varianten haben unterschiedliche WKN/ISIN. Im Broker-Suchfeld nach dem ETF-Namen suchen, dann erscheinen beide Varianten.
  • Bei JustETF: Filter „Ertragsverwendung: thesaurierend / ausschüttend" verfügbar.

Was die meisten Anfänger machen — und was sinnvoll ist

Für den Einstieg ist die thesaurierende Variante meist die bequemere Wahl, weil sich niemand um die Wiederanlage der Dividenden kümmern muss. Steuerlich ist die Entscheidung bei breiten Welt-ETFs derzeit fast bedeutungslos. Wichtiger ist, ob du später regelmäßige Auszahlungen möchtest.

Verwandte Rechner: ETF-Vergleichs-Rechner · Sparplan-Rechner · Vorabpauschale-Rechner · Entnahmeplan-Rechner.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend?

Thesaurierende ETFs (Kürzel acc) reinvestieren die Dividenden automatisch im Fonds — du siehst sie nicht, sie erhöhen den Anteilswert. Ausschüttende ETFs (dist) zahlen die Dividenden auf dein Verrechnungskonto aus, meist quartalsweise. Mathematisch ähnliches Endergebnis — Unterschied vor allem bei Steuern und Cashflow.

Welche Variante ist für Anfänger besser?

Meist thesaurierend, weil keine Dividenden von Hand wieder angelegt werden müssen. Steuerlich sind beide Varianten bei breiten Welt-ETFs derzeit nahezu gleichwertig: Die Vorabpauschale setzt 2026 jährlich 2,24 % des Anteilswerts an, ungefähr so viel wie die typische Dividende.

Wann lohnt sich ausschüttend?

Vor allem, wenn du regelmäßige Auszahlungen aufs Konto möchtest, ohne Anteile zu verkaufen — etwa in der Rente. Einen steuerlichen Vorteil hat die ausschüttende Variante bei einem Basiszins von 3,20 % kaum, weil auch der thesaurierende ETF den Sparerpauschbetrag über die Vorabpauschale jedes Jahr nutzt.

Kann ich beide Varianten kombinieren?

Möglich, steuerlich aber derzeit kaum lohnend. Die Idee, erst einen ausschüttenden ETF bis zur Ausschöpfung des Sparerpauschbetrags zu besparen, stammt aus den Nullzins-Jahren. Heute nutzt auch der thesaurierende ETF den Pauschbetrag über die Vorabpauschale. Wer kombiniert, sollte es wegen der Auszahlungen tun, nicht wegen der Steuer.

Wie erkenne ich, ob ein ETF thesaurierend oder ausschüttend ist?

Im Namen: „acc" oder „A" für accumulating (thesaurierend), „dist" oder „D" für distributing (ausschüttend). Beispiel Vanguard FTSE All-World: ISIN IE00BK5BQT80 ist die thesaurierende Variante, IE00B3RBWM25 die ausschüttende. Bei JustETF gibt es einen Filter „Ertragsverwendung".

Was bedeutet „dist" bei einem ETF?

„dist" steht für distributing — auf Deutsch ausschüttend. Diese ETF-Variante zahlt Dividenden automatisch quartalsweise oder jährlich auf dein Verrechnungskonto aus, statt sie wieder im Fonds zu investieren. Das Gegenteil ist „acc" (accumulating, thesaurierend).

Was ist der Unterschied zwischen dist und acc?

acc (accumulating, thesaurierend): Dividenden werden automatisch im Fonds reinvestiert — du siehst sie nicht auf dem Konto, sie erhöhen den Anteilswert. Maximaler Compound-Effekt. dist (distributing, ausschüttend): Dividenden landen quartalsweise auf deinem Verrechnungskonto — du kannst sie nutzen oder manuell reinvestieren. Steuerlich nutzen beide den Sparerpauschbetrag jährlich — dist über die Ausschüttungen, acc über die Vorabpauschale.

Wann schütten ETFs aus?

Hängt vom ETF ab. Typische Intervalle: quartalsweise (Vanguard FTSE All-World dist: März/Juni/September/Dezember), halbjährlich oder jährlich. Genaue Termine stehen im Fondsprospekt und auf JustETF unter „Ausschüttungstermine". Ein typischer Auszahlungstag liegt 4-6 Wochen nach Ex-Tag.

Was sind die Vorteile eines thesaurierenden ETFs?

Drei Hauptvorteile: (1) Maximaler Zinseszinseffekt — Dividenden bleiben sofort wieder investiert, ohne dass du etwas tun musst. (2) Weniger Verwaltungsaufwand — keine manuellen Reinvestitionen, kein Transaktions-Tracking. (3) Steuerstundung — allerdings nur, soweit die Dividendenrendite über dem Basisertrag liegt. 2026 setzt die Vorabpauschale 2,24 % des Anteilswerts an; bei breiten Welt-ETFs mit rund 2 % Dividende bleibt davon wenig übrig.

Welche Vorteile und Nachteile hat ein thesaurierender ETF?

Vorteile: Voller Zinseszins, kein Reinvestitions-Aufwand, Steuerstundung beim Verkauf. Nachteile: Kein automatischer Cashflow — wer Geld braucht, muss Anteile verkaufen. Die Vorabpauschale wird jährlich vom Verrechnungskonto eingezogen, dort muss also Guthaben liegen. Steuerlich liegen beide Varianten bei breiten Welt-ETFs derzeit nahezu gleichauf.

Formel & Erklärung

Thesaurierend (acc): Dividenden bleiben im Fonds. Versteuert wird jährlich die Vorabpauschale (§ 18 InvStG): Wert zum Jahresanfang × Basiszins × 70 %, höchstens die tatsächliche Wertsteigerung. 2026 sind das bei 3,20 % Basiszins 2,24 % des Anteilswerts. Beim Verkauf wird der Gewinn abzüglich der bereits angesetzten Vorabpauschalen besteuert.

Ausschüttend (dist): Dividenden werden ausgezahlt und im selben Jahr versteuert. Liegt die Ausschüttung unter dem Basisertrag, kommt die Differenz als Vorabpauschale hinzu. Annahme im Rechner: Du legst die Netto-Dividende sofort wieder an; sie zählt dann zu den Anschaffungskosten.

Für beide: 30 % Teilfreistellung bei Aktien-ETFs, danach Sparerpauschbetrag, dann 26,375 % Abgeltungsteuer mit Soli. Ohne Steuern ergeben beide Varianten im Rechner exakt denselben Endwert — jede Differenz stammt aus der Besteuerung.