Acc oder dist — thesaurierend oder ausschüttend?
Bei jedem ETF gibt es zwei Varianten — erkennbar am Kürzel im Namen:
- acc (accumulating, thesaurierend): Dividenden werden automatisch wieder im Fonds investiert. Du bekommst nichts ausgezahlt, dein Anteilswert steigt entsprechend.
- dist (distributing, ausschüttend): Dividenden werden auf dein Verrechnungskonto ausgezahlt — typischerweise quartalsweise oder jährlich.
Welche Variante mehr Endkapital nach Steuer bringt, hängt von Sparerpauschbetrag-Auslastung, Anlagedauer und Kapitalhöhe ab. Der Rechner oben zeigt dir den konkreten Unterschied für deinen Fall.
Wie funktionieren die Steuern bei beiden Varianten?
Thesaurierend (acc)
- Während der Laufzeit: Jährlich die Vorabpauschale — Wert zum Jahresanfang × Basiszins × 70 %, höchstens die Wertsteigerung des Jahres. Sie gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen; die Steuer wird vom Verrechnungskonto eingezogen.
- Beim Verkauf: Steuer auf den Gewinn, gemindert um alle bereits angesetzten Vorabpauschalen (§ 19 InvStG). Bei Aktien-ETFs sind 70 % steuerpflichtig — effektiv 18,46 % ohne Kirchensteuer.
- Sparerpauschbetrag: wird über die Vorabpauschale jedes Jahr mitgenutzt. Was darin steuerfrei bleibt, mindert trotzdem den späteren Verkaufsgewinn.
Ausschüttend (dist)
- Während der Laufzeit: Jede Ausschüttung ist im selben Jahr steuerpflichtig, zu 70 % bei Aktien-ETFs, nach Abzug des Sparerpauschbetrags.
- Vorabpauschale: fällt zusätzlich an, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen — 2026 also bei einer Dividendenrendite unter 2,24 %.
- Beim Verkauf: Steuer auf den Gewinn gegenüber den Anschaffungskosten. Wieder angelegte Netto-Dividenden zählen dazu.
Warum der Unterschied 2026 so klein ist
Entscheidend ist der Vergleich zwischen Dividendenrendite und Basisertrag. Bei einem Basiszins von 3,20 % setzt die Vorabpauschale 2,24 % des Anteilswerts an. Ein breiter Welt-ETF mit rund 2 % Dividende wird als ausschüttende Variante also ungefähr auf derselben Grundlage besteuert wie als thesaurierende — beide laufend, beide jedes Jahr. Der Stundungsvorteil, der den thesaurierenden ETF früher auszeichnete, ist damit weitgehend verschwunden.
Zum Vergleich mit dem Rechner oben (5 % Kurs, 1.000 € Sparerpauschbetrag):
| Fall | Thesaurierend | Ausschüttend | Unterschied |
|---|---|---|---|
| 10.000 € + 300 €/Monat, 30 Jahre, 2 % Dividende, Basiszins 3,20 % | 380.050 € | 380.371 € | praktisch gleich |
| 100.000 € einmalig, 20 Jahre, 3 % Kurs + 4 % Dividende, Basiszins 3,20 % | 340.017 € | 331.907 € | +8.110 € thesaurierend |
| 300.000 € einmalig, 20 Jahre, 2 % Dividende, Basiszins 0 % | 1.020.075 € | 1.000.420 € | +19.656 € thesaurierend |
Der letzte Fall zeigt die Lage in den Nullzins-Jahren 2021 und 2022, als keine Vorabpauschale anfiel. Da der Basiszins jedes Jahr neu festgelegt wird, kann sich das Verhältnis wieder verschieben.
Faustregel: Wann ist welche Variante besser?
| Situation | Empfehlung | Grund |
|---|---|---|
| Breiter Welt-ETF, Dividende unter dem Basisertrag | Egal — nach Handhabung | Beide werden laufend ähnlich besteuert |
| Dividenden-ETF, Rendite deutlich über dem Basisertrag | Thesaurierend | Weniger laufende Steuer, Rest bis zum Verkauf gestundet |
| Anspar-Phase ohne Wunsch nach Auszahlungen | Thesaurierend | Keine Wiederanlage von Hand nötig |
| Entnahme-Phase | Je nach Plan | Ausschüttungen kommen ohne Verkauf aufs Konto; beim Teilverkauf wird dagegen nur der Gewinnanteil besteuert |
Lohnt sich die Zwei-ETF-Strategie noch?
Früher verbreitet: erst einen ausschüttenden ETF besparen, bis die Dividenden den Sparerpauschbetrag ausschöpfen, dann einen thesaurierenden. Die Grenze liegt dabei höher als oft angegeben — wegen der Teilfreistellung deckt der Pauschbetrag von 1.000 € rund 1.430 € Dividende, bei 2 % Rendite also ein Depot von etwa 71.000 € statt 50.000 €.
Seit der Basiszins wieder deutlich positiv ist, bringt die Strategie steuerlich aber kaum noch etwas: Auch der thesaurierende ETF nutzt den Pauschbetrag jedes Jahr über die Vorabpauschale. Bei 2,24 % Basisertrag bleibt ein Depot bis rund 64.000 € laufend steuerfrei — in beiden Varianten.
Erkennungsmerkmale beim Kauf
Wie unterscheidet man die Varianten beim Broker?
- Im Namen: „acc" oder „A" steht oft für accumulating, „dist" oder „D" für distributing. Beispiel: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating (IE00BK5BQT80) vs. Distributing (IE00B3RBWM25).
- WKN/ISIN: Beide Varianten haben unterschiedliche WKN/ISIN. Im Broker-Suchfeld nach dem ETF-Namen suchen, dann erscheinen beide Varianten.
- Bei JustETF: Filter „Ertragsverwendung: thesaurierend / ausschüttend" verfügbar.
Was die meisten Anfänger machen — und was sinnvoll ist
Für den Einstieg ist die thesaurierende Variante meist die bequemere Wahl, weil sich niemand um die Wiederanlage der Dividenden kümmern muss. Steuerlich ist die Entscheidung bei breiten Welt-ETFs derzeit fast bedeutungslos. Wichtiger ist, ob du später regelmäßige Auszahlungen möchtest.
Verwandte Rechner: ETF-Vergleichs-Rechner · Sparplan-Rechner · Vorabpauschale-Rechner · Entnahmeplan-Rechner.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend?
Thesaurierende ETFs (Kürzel acc) reinvestieren die Dividenden automatisch im Fonds — du siehst sie nicht, sie erhöhen den Anteilswert. Ausschüttende ETFs (dist) zahlen die Dividenden auf dein Verrechnungskonto aus, meist quartalsweise. Mathematisch ähnliches Endergebnis — Unterschied vor allem bei Steuern und Cashflow.
Welche Variante ist für Anfänger besser?
Meist thesaurierend, weil keine Dividenden von Hand wieder angelegt werden müssen. Steuerlich sind beide Varianten bei breiten Welt-ETFs derzeit nahezu gleichwertig: Die Vorabpauschale setzt 2026 jährlich 2,24 % des Anteilswerts an, ungefähr so viel wie die typische Dividende.
Wann lohnt sich ausschüttend?
Vor allem, wenn du regelmäßige Auszahlungen aufs Konto möchtest, ohne Anteile zu verkaufen — etwa in der Rente. Einen steuerlichen Vorteil hat die ausschüttende Variante bei einem Basiszins von 3,20 % kaum, weil auch der thesaurierende ETF den Sparerpauschbetrag über die Vorabpauschale jedes Jahr nutzt.
Kann ich beide Varianten kombinieren?
Möglich, steuerlich aber derzeit kaum lohnend. Die Idee, erst einen ausschüttenden ETF bis zur Ausschöpfung des Sparerpauschbetrags zu besparen, stammt aus den Nullzins-Jahren. Heute nutzt auch der thesaurierende ETF den Pauschbetrag über die Vorabpauschale. Wer kombiniert, sollte es wegen der Auszahlungen tun, nicht wegen der Steuer.
Wie erkenne ich, ob ein ETF thesaurierend oder ausschüttend ist?
Im Namen: „acc" oder „A" für accumulating (thesaurierend), „dist" oder „D" für distributing (ausschüttend). Beispiel Vanguard FTSE All-World: ISIN IE00BK5BQT80 ist die thesaurierende Variante, IE00B3RBWM25 die ausschüttende. Bei JustETF gibt es einen Filter „Ertragsverwendung".
Was bedeutet „dist" bei einem ETF?
„dist" steht für distributing — auf Deutsch ausschüttend. Diese ETF-Variante zahlt Dividenden automatisch quartalsweise oder jährlich auf dein Verrechnungskonto aus, statt sie wieder im Fonds zu investieren. Das Gegenteil ist „acc" (accumulating, thesaurierend).
Was ist der Unterschied zwischen dist und acc?
acc (accumulating, thesaurierend): Dividenden werden automatisch im Fonds reinvestiert — du siehst sie nicht auf dem Konto, sie erhöhen den Anteilswert. Maximaler Compound-Effekt. dist (distributing, ausschüttend): Dividenden landen quartalsweise auf deinem Verrechnungskonto — du kannst sie nutzen oder manuell reinvestieren. Steuerlich nutzen beide den Sparerpauschbetrag jährlich — dist über die Ausschüttungen, acc über die Vorabpauschale.
Wann schütten ETFs aus?
Hängt vom ETF ab. Typische Intervalle: quartalsweise (Vanguard FTSE All-World dist: März/Juni/September/Dezember), halbjährlich oder jährlich. Genaue Termine stehen im Fondsprospekt und auf JustETF unter „Ausschüttungstermine". Ein typischer Auszahlungstag liegt 4-6 Wochen nach Ex-Tag.
Was sind die Vorteile eines thesaurierenden ETFs?
Drei Hauptvorteile: (1) Maximaler Zinseszinseffekt — Dividenden bleiben sofort wieder investiert, ohne dass du etwas tun musst. (2) Weniger Verwaltungsaufwand — keine manuellen Reinvestitionen, kein Transaktions-Tracking. (3) Steuerstundung — allerdings nur, soweit die Dividendenrendite über dem Basisertrag liegt. 2026 setzt die Vorabpauschale 2,24 % des Anteilswerts an; bei breiten Welt-ETFs mit rund 2 % Dividende bleibt davon wenig übrig.
Welche Vorteile und Nachteile hat ein thesaurierender ETF?
Vorteile: Voller Zinseszins, kein Reinvestitions-Aufwand, Steuerstundung beim Verkauf. Nachteile: Kein automatischer Cashflow — wer Geld braucht, muss Anteile verkaufen. Die Vorabpauschale wird jährlich vom Verrechnungskonto eingezogen, dort muss also Guthaben liegen. Steuerlich liegen beide Varianten bei breiten Welt-ETFs derzeit nahezu gleichauf.